28.10.2026

Shrinkflation: Gleicher Preis, weniger drin – so erkennst du Mogelpackungen

Kassabon mit zwei Zeilen Müsli: 200 g und 180 g zum gleichen Preis, der gestiegene Grundpreis ist rot markiert.

Die Packung sieht aus wie immer. Der Preis am Regal auch. Erst zu Hause fällt dir auf, dass die Tafel dünner ist oder die Müslischachtel schneller leer wird. Genau das ist Shrinkflation – und sie ist einer der Gründe, warum sich Teuerung manchmal stärker anfühlt, als das Preisschild vermuten lässt.

Was ist Shrinkflation?

Der Begriff setzt sich aus dem englischen „shrink“ (schrumpfen) und „Inflation“ zusammen. Gemeint ist: Die Füllmenge eines Produkts wird kleiner, der Verkaufspreis bleibt gleich und die Verpackung sieht nahezu unverändert aus. Das Sozialministerium beschreibt es mit einem einfachen Beispiel: Ein Müsli hatte bisher 200 g und hat jetzt 180 g – ohne dass sich der Preis ändert. Dann steigt der Grundpreis, also der Preis pro Kilogramm oder Liter.

Betroffen sind nicht nur Lebensmittel, sondern auch Drogerie-, Hygiene- und Haushaltsartikel.

Shrinkflation oder Mogelpackung – ist das dasselbe?

Nicht ganz. Umgangssprachlich wird beides oft gleichgesetzt. Rechtlich ist eine verkleinerte Füllmenge aber nicht automatisch eine Täuschung, denn die Nettofüllmenge muss auf der Packung stehen. Als unzulässige Mogelpackung gelten laut der Plattform „Österreich isst informiert“ in der Regel Verpackungen, die ohne nachvollziehbaren Grund nur zu etwa zwei Dritteln befüllt sind; unter 50 Prozent Inhalt jedenfalls.

Kurz gesagt: Shrinkflation ist eine versteckte Preiserhöhung. Eine Mogelpackung ist eine Packung, die mehr Inhalt vortäuscht, als drin ist. Beides kann zusammenfallen, muss aber nicht.

Warum du Shrinkflation an der Kassa kaum bemerkst

Beim Einkaufen merken wir uns meistens den Preis, nicht das Gewicht. Wenn dieselbe Packung um denselben Betrag im Regal steht, gibt es keinen Grund, genauer hinzuschauen. Die Teuerung passiert trotzdem – nur eben pro Gramm statt pro Packung.

Rechenbeispiel (fiktiv): Ein Müsli kostet 3,00 € für 200 g, das sind 15,00 € pro Kilo. Bei 180 g zum gleichen Preis sind es 16,67 € pro Kilo. Das Preisschild ist gleich geblieben, der Grundpreis ist um rund 11 % gestiegen.

Dass das kein Randthema ist, zeigt die Wahl zur „Mogelpackung des Jahres“ der Verbraucherzentrale Hamburg. Für 2025 wurde dort die Milka Alpenmilch gewählt: Laut Verbraucherzentrale sank die Füllmenge Anfang 2025 von 100 auf 90 g, während der Preis im deutschen Handel von 1,49 € auf 1,99 € stieg – eine Preiserhöhung von über 48 % pro Gramm (Stand 21.01.2026, Preise Deutschland). Hier kam also beides zusammen: weniger Inhalt und ein höherer Preis.

Was gilt in Österreich seit April 2026?

Seit 1. April 2026 gilt in Österreich das Anti-Mogelpackungs-Gesetz (BGBl. I Nr. 9/2026). Die wichtigsten Punkte laut Gesetzestext und Sozialministerium:

Das Gesetz ist befristet bis 30. Juni 2030.

Wo die Kennzeichnung aufhört

Die Kennzeichnung ist ein guter Hinweis im Moment des Einkaufs. Aber sie hat Grenzen: Nach 60 Tagen verschwindet das Schild, Änderungen unter 3 % sind nicht erfasst, und kleinere Geschäfte sowie Online-Einkäufe fallen nicht darunter. Wer wissen will, wie sich die eigenen Lieblingsprodukte über Monate entwickeln, muss selbst mitschauen.

So vergleichst du richtig: der Grundpreis

Der zuverlässigste Blick geht nicht auf das große Preisschild, sondern auf die kleine Zahl daneben: den Grundpreis pro Kilo, Liter oder 100 g. Er muss am Regal ausgewiesen sein.

Drei einfache Gewohnheiten:

  1. Grundpreis statt Packungspreis vergleichen – vor allem, wenn eine Packung „neu“ oder „XXL“ heißt.
  2. Füllmenge auf der Packung lesen – sie muss gut sichtbar im selben Sichtfeld wie die Produktbezeichnung stehen.
  3. Den Kassabon aufheben, wenn dir ein Produkt verdächtig vorkommt. Beim nächsten Einkauf hast du den direkten Vergleich schwarz auf weiß.

Deine Teuerung steckt in der Menge

Die amtliche Inflationsrate von Statistik Austria berücksichtigt Mengenänderungen, indem sie Preise auf vergleichbare Mengen bezieht. Sie zeigt aber einen Durchschnitt über sehr viele Produkte. Ob genau deine Haferflocken, dein Waschmittel oder deine Schokolade geschrumpft sind, sagt sie dir nicht. Der Durchschnitt lügt nicht. Er meint nur nicht dich — warum sich Teuerung persönlich anders anfühlt.

Genau hier hilft es, die eigenen Einkäufe festzuhalten. Mit MeineInflation trägst du deine Preise ein oder scannst deinen Kassabon. Wenn du bei wiederkehrenden Produkten auch die Packungsgröße mitnotierst, siehst du über die Zeit, wo dein Geld pro Gramm wirklich weniger wert ist – und wie sich das auf deine persönliche Teuerung neben der amtlichen Zahl auswirkt.

Deine Ausgaben. Deine Teuerung.
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Quellen

Kein Konto notwendig. Quellen zum Vergleich: Statistik Austria VPI, Eurostat HVPI.

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